Kierkegaard schmähte die Pastoren als «Falschmünzer des Christentums».

200. Geburtstag von Søren Kierkegaard (5.5.1813-11.11.1855) – Kommentar zu 2013 Mai 5

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Ihr Kirchenchristen, ihr seichten Spießbürger! mehr:

Ich bringe jetzt Auszüge von Artikeln über Kierkegaard, die ich heute las.

Siehe 2010 Sep 12 (2) – Die Theorie für alles

Der erste Artikel beschäftigt sich mit den Reflexionen Kierkegaards, bringt etwas über das Existenzielle und über Philosophen aber auch etwas über den Höhepunkt der Arbeit Kierkegaards: Sein publizistischer Kampf gegen das sklerotische Staatskirchentum, der in seinem letzten Buch, Der Augenblick, eindrucksvoll beschrieben ist:

200. Geburtstag von Søren Kierkegaard

Reflexion von Anfang bis Ende

Sein publizistischer Kampf gegen das sklerotische Staatskirchentum.

Bescheiden wird man noch weniger den Anspruch nennen können, der sich mit der «pseudonymen Schriftstellerei» im Ganzen verbindet. Kierkegaard hält sich, wie er 1846 seinem Tagebuch anvertraut, das «Verdienst» zugute, «die entscheidenden Bestimmungen des ganzen Umfangs des Existenziellen [. . .] dialektisch scharf und ursprünglich dargelegt zu haben» – und zwar so, wie es zuvor «noch nicht geschehen ist». Dieser unbescheidene Anspruch und der Versuch, ihn einzulösen, machen aus dem, der sich einen «religiösen Schriftsteller» nannte, einen Philosophen – auch wenn die Philosophen in seinen Schriften mitunter verspottet werden: «Was die Philosophen über die Wirklichkeit sagen, ist oft ebenso irreführend, wie wenn man bei einem Trödler auf einem Schilde liest: Hier wird gemangelt. Würde man mit seinem Zeug kommen, um es mangeln zu lassen, so wäre man genasführt; denn das Schild steht bloss zum Verkaufe aus.»

Der zweite Artikel ist über Kierkegaards Kopenhagen und darin werden die Pastoren sehr schön als «Falschmünzer des Christentums» bezeichnet. Aber das Wesentliche des Werkes Kierkegaards kommt dort zum Ausdruck: sich von der kirchlichen Umklammerung freizumachen und sich direkt zu Gott zu verhalten:

Während der Schriftsteller Peter Andreas Heiberg des Gedichts «Orden hängt man an Idioten» und anderer kecker Verse wegen auf Lebenszeit des Landes verwiesen wurde. Ohne Blutvergiessen gab sich das Königreich 1849 eine Verfassung. Für Kierkegaard war die Demokratie Albtraum und paradoxe Hoffnung zugleich: «Eine Volksregierung ist das wahre Bild von der Hölle.» Konformismus trete an die Stelle der Autorität, Gottesfurcht werde zu Menschenfurcht. Jedoch berge der Zerfall die Möglichkeit, dass sich der Einzelne, indem er sich von der kirchlichen Umklammerung freimache, direkt zu Gott verhalten könne.

Er schmähte die Pastoren als «Falschmünzer des Christentums», und unentwegt forderte er die Trennung von Kirche und Staat – was bis heute ein frommer Wunsch geblieben ist.

Nun folgen Auszüge aus einem Artikel, der Kierkegaard recht negativ darstellt. Der Grund dafür wird recht klar, wenn man dann am Ende des Artikels liest, wer der Verfasser des Artikels ist, „einer der profiliertesten evangelischen Theologen Deutschlands.“ Der Verfasser ist also ein Theologe, also ein Mann der Kirche, der falschen Kirche, der Imitationskirche, der Kirche, die von Kierkegaard recht scharf angegriffen wird und die er besonders in seinem letzten Werk, Der Augenblick (Attack Upon „Christendom“), so darstellt, wie sie wirklich ist.

200 Jahre Kierkegaard

Ihr Kirchenchristen, ihr seichten Spießbürger!

Urahn fundamentalistischer Frömmigkeit: Vor 200 Jahren wurde der dänische Theologe und Philosoph Søren Kierkegaard geboren. Bis heute ist seine Wirkung ungebrochen – und ein gefährliches Faszinosum.

Gefährlicher, aggressiver Antirationalismus: Der Einfluss des dänischen Philosophen Søren Aabye Kierkegaard (1813-1855) auf Glaubensfundamentalisten ist ungebrochen

Verachtung für bürgerliche Normalität

Der fromme Anarchist formuliert eine äußerst höhnische, von tiefer Verachtung für alle bürgerliche Normalität zeugende Kritik "des Bestehenden", das heißt der bürgerlichen Gesellschaft und der sie stützenden "Volkskirche". Kirchenchristen seien nur seichte, halbe, sich selbst belügende Spießbürger, niemals aber "Christen im absoluten Sinne".

In großartigen Sprachbildern beschreibt Kierkegaard die kritische Weltdistanz des Glaubens. Glaube sei für alle weltlichen Instanzen von Grund auf gefährlich, weil er "durch unbedingten Gehorsam gegenüber Gott das Bestehende in der Schwebe halte".

Doch wer begrenzt den Glauben? Hier liegt die entscheidende Schwäche von Kierkegaards vernunftkritischer Rhetorik von Sprung und Entscheidung. Kierkegaard ist auch ein Klassiker von Wissenschaftshass und kulturkämpferischer Abwehr skeptischer Vernunft und Aufklärung. Auf die ethischen Herausforderungen moderner Wissensgesellschaften gibt er nur eine zynische Antwort: Zieht euch ins eigentliche, wahre Leben, ins Innenleben zurück. Kompromisse, diskursiven Interessenausgleich und demokratische Konsenssuche verachtet er.

Nicht nur die Vernunft hat ihre Grenzen, auch der Glaube. Er darf sich nicht selbst an die Stelle Gottes setzen wollen.

Genau dies aber hat Kierkegaard getan und damit ein kognitives Muster für all jene fundamentalistisch Frommen geliefert, die keine Grenzen anerkennen wollen und so die Grundlagen der Zivilität zerstören.

Das waren also Auszüge aus einem Artikel über Kierkegaard, der von einem Theologen geschrieben wurde. Der Theologe, der Kirchenmann, der Mann der Konfession der evangelischen Kirche, bezeichnet also seine Feinde, die wirklichen Christen, als fundamentalistisch. Und diese Bezeichnung, fundamentalistisch, fand ich auch, voriges Jahr, in einem Artikel, der von einem anderen Theologen, dem Theologen Joseph Ratzinger, dem Mann der Konfession der katholischen Kirche, benutzt wurde, und der sich auch über solche fundamentalistischen Leute äußerte und vor ihnen warnte. Von Ratzinger las ich gerade vor drei Tagen: Alt-Papst Ratzinger zurück im Vatikan. Und da hieß es: „Als der emeritierte Papst Benedikt XVI., jetzt Pensionär Joseph Ratzinger, am Donnerstagnachmittag mit dem Helikopter über Rom in den Vatikan flog ... Um 16.30 landete Ratzinger auf dem Heliport der Vatikanstadt.“ Wir hatten 2013 Mär 23 – Der Verfall der Macht des Vatikans: Josepf Ratzinger sitzt im Gefängsnis, lebenslang und nun, 6 Wochen später, ist der Urlaub in Castel Gandolfo zu Ende, und auch nun muß Ratzinger wieder den Helicopter benutzen, um der Gefahr einer Verhaftung zu entgehen.

Die evangelischen Theologen und auch die katholischen Theologen sagen also von den wirklichen Nachfolgern von Jesus Christus sie seien fundamentalistisch. Es ist ein schönes Beispiel davon, daß sie beide diesem gottesfeindlichen System der Rechtgläubigkeit, der Orthodoxie, angehören. Ihr Hauptanliegen ist ihr Kampf gegen Gott. Sie sind die wahren 2012 Jul 08 – Diener Satans.

Für die Orthodoxen ist Jesus Christus ein Fundamentalist, der mit allen Mittel bekämpft werden muß.

Der evangelische Theologe kämpft gegen die fundamentalistisch Frommen.

Die fundamentalistisch Frommen könnten die Grundlagen der Zivilität zerstören.

Und die Zivilität ist die Weltlichkeit. Und die Weltlichkeit ist die Welt der Orthodoxie, die Welt des Fürstens dieser Welt. Und Orthodoxen sind seiner Diener, Diener Satans.

Das war also ein evangelischer Theologe, ein Universitätsprofessor, ein Wolf in Schafskleidern höchsten Ranges.

Ein orthodoxer Theologe, ein Prophetenmörder wie er im Buche steht: Matthäus 23,29-39.

Und jetzt Auszüge aus einem anderen Artikel:

Vor 200 Jahren geboren: der Philosoph Sören Kierkegaard

So holt Kierkegaard Religiosität aus dem Reich des Mythischen, macht Glauben zu einer Frage der Entscheidung – springen oder nicht springen – und weiß, dass er sein Denkgebäude damit über dem Abgrunde erbaut. Mit der Amtskirche hat er größte Probleme. Denn erst in der christlichen Praxis, der radikal gelebten Caritas, erweist sich für Kierkegaard, ob einer den Sprung zu Gott vollzieht. Diesem Anspruch konnte mancher Pastor nicht genügen.

Und nun Auszüge aus einem weiteren Artikel:

Kierkegaard mit 200

Der intellektuell unsterbliche Soren Kierkegaard wird am Sonntag 200. Der lyrische dänische Philosoph wird weitgehend als der Vater des Existenzialismus betrachtet, eine philosophische und literarische Bewegung, die die Kategorie des Einzelnen betont und über solch gazeartige Fragen meditiert wie, Gibt es einen Sinn des Lebens?

Nicht überraschend war es, daß der Existenzialismus seinen Zenit erreichte nachdem die Menschheit einen guten Blick auf sich selbst im Spiegel des Holocaust geworfen hatte, doch dann verblaßten die Erinnerungen und die Wirtschaft dröhnte und der Existenzialismus fing an ein bißchen überreizt zu sein.

Dennoch blieb die intellektuelle Welt über das Auf und Ab des gelehrten Marktes zuversichtlich bei Kierkegaard, zum Teil weil der Däne, anders als andere Mitglieder der Sokrates-Gilde, immer das ansprach, womit Menschen wirklich in sich zu tun haben, nämlich Angst, Depression, Verzweiflung und den Fluß der Zeit.

Obwohl Kierkegaard niemals die Wendung “der Sprung des Glaubens” benutzte, ist dieser Ausdruck sein Erkennungswort geworden. Ein Lutheraner, der in einer pietistischen Umwelt großgezogen wurde, bestand Kierkegaard darauf, daß da kein Wesen in den Schoß der Familie hineingeboren wird; keine leichte Passage, kein Abklappern einer Reihe von Vernunftschlüssen zum Glauben. Für Kierkegaard beinhaltet Glaube einen Konflikt mit dem Verständnis und eine radikale Wahl, oder, um den Begriff seines einmaligen Bestsellers zu benutzen, verlangt Leben und Glauben ein “Entweder/Oder.” Glaube oder glaube nicht, stell dir aber nicht vor, daß du beides haben kannst. Wie die meistens leeren Kirchenbänke bezeugen, hat der größte Teil Europas die Herausvorderung Kierkegaards angenommen.

Doch war Kierkegaard mehr als ein Luther seiner Lutherischen Tradition; seine Schriften strotzen vor Einsichten über Kultur und Humanität, die in der Währung der Weltlichkeit erlöst werden können.

Zum Beispiel gedieh Kierkegaard bei der Einführung der Massenmedien. Tägliche und wöchentliche Zeitschriften und Zeitungen fingen gerade an, sich weit zu verbreiten. Als ob er Facebook und Twitter fühlen konnte durch die Leitung runter zu kommen, sah er eine Zeit voraus, wenn Kommunikation unmittelbar werden würde, doch würde niemand etwas zu sagen haben; oder auch eine Zeit, wenn jeder davon besessen sein würde, seine Stimme zu finden, doch ohne viel Substanz oder “Innerlichkeit” hinter ihren Ausbrüchen und Blogposts.

In einem seiner Bücher stöhnt Kierkegaard, “Die gegenwärtige Zeit ist eine Zeit der Publicity, die Zeit von verschiedenerlei von Bekanntgaben: Nicht passiert, aber da gibt es sofort Publicity.” Am Ende war Kierkegaard über die Macht der Presse beunruhigt, zu schüren und öffentliche Meinungen zu bilden und uns dabei von der Notwendigkeit zu entbinden, Dinge für uns selbst zu überdenken.

Über eine Zeitspanne von 17 Jahren veröffentlichte Kierkegaard zig Bücher und verfaßte Tausende Seiten von Tagebucheinträgen.

Ein kurzer:

Kierkegaard wird 200

Dänischer Philosoph Søren Kierkegaards 200ster Geburtstag ist dieses Wochenende (5. Mai)

Der Mann, der es zu seiner Aufgabe machte, das Christentum erneut einer Kultur vorzustellen, die meinte, sie glaube bereits daran.

Und der nächste:

Kopenhagen: Søren Kierkegaards Vermächtnis lebt weiter

Søren Kierkegaard, dessen Zweihundertjahrfeier die Stadt vom 5. Mai an feiert, ist als der Vater des Existenzialismus bekannt, der Philosoph der Angst und die Geißel der Kirche.

Und ein weiterer kurzer:

Kierkegaard, der große Kommunikator

Kurz bevor er im Alter von 42 starb, begann er einen bitteren Bodenkrieg mit der lutherischen Staatskirche.

Und noch ein weitere:

Leidenschaftlicher Denker

Kierkegaard feiern

Daß Kierkegaards eigene Beerdigung in der Kirche stattfand, wo das offizielle Gedenken seines Lebens nun begonnen wird, ist in sich selbst bemerkenswert, da es viele damals gab, die meinten, es sei höchst unpassend, daß ein Mann, dessen Leben mit einem ätzenden Angriff auf das Kirchenestablishment endete, überhaupt eine solche Beerdigung haben sollte.

Einige mögen meinen, daß königliche Feiern, akademische Konferenzen und Bücherfeste nur auf einen Fall hinauslaufen, die Grabmale der Propheten reinzuwaschen. Sie sind aber ein Zeichen, daß Kierkegaard gelesen wird, das is gut – und, soweit es die Theologie betrifft, ist es sogar besser, wenn es ein Zeichen ist, daß wir die Aufgabe eines christlichen Zeugnisses in einer Welt ernst nehmen, die nicht mehr Ehrfurcht vor der Obrigkeit von Hierarchien oder der Schrift hat und die von ihren eigenen festlegenden Traditionen abgetrennt wurde. Es ist noch besser, wenn Kierkegaard dem modernen Christen helfen kann, zu den geistigen Traditionen anzubinden, die sein eigenes inneres Leben nährten und die, als er davon schrieb, über die Lilien und die Vögel der Bergpredigt Bemerkungen zu machen, einen Weg zur Stille, zum Gehorsam und zur Freude öffnen, mit und unter den Bedingungen der Modernität.

Und noch ein kurzer:

Die Christenheit zum Christentum erziehen – Sören Kierkegaard zum 200. Geburtstag

Der am 5. Mai 1813 in Kopenhagen geborene Sören Kierkegaard hat für die Kirchen heute grösste Aktualität.

Der Philosoph und Dichter kritisierte das amtskirchlich degenerierte Christentum, wollte dieses gar vor der Kirche retten. Christ zu sein ist für Kierkegaard eine historische Aufgabe, die den Christen, gleich wo er in der Welt steht und was er sein mag, ganz und gar fordert.

Und noch einer. Es ist der einzige Artikel den ich heute las, der sein letztes Werk, "Der Augenblick", erwähnt:

Kierkegaard - Lebemann, Einzelgänger und Kirchenstürmer

Kierkegaard trat auch als Herausgeber von Büchern, als Autor von Zeitungsartikeln und gegen Ende seines Lebens als Herausgeber der Zeitschrift "Der Augenblick" in Erscheinung.

In seinen letzten Lebensjahren spitzte sich sein Bild vom "wahren Christentum" zu. Die Ansprüche an den Menschen waren kaum noch erfüllbar, auch das Christentum der gemäßigten dänischen Staatskirche entsprach nicht mehr seinen radikalen Vorstellungen und verlor damit in seinen Augen die Existenzgrundlage. In Zeitungsartikeln griff er die dänische Kirche an. In seinem "Kirchensturm" unterstellte er der amtlichen Kirche Schauspielerei. Er machte deutlich, dass seine bis dahin veröffentlichten Schriften allein dem Zweck dienten, sich als ernstzunehmendem Denker Gehör zu verschaffen für seinen Kampf gegen die etablierte Kirche.

Und ein letzter.

Das Paradox des Glaubens. Zum 200. Geburtstag des Philosophen und Theologen Sören Kierkegaard

Im Vordergrund stand der Seinsvollzug des Menschen - als eine Einheit von Denken, Wollen und Fühlen, die in jedem Augenblick neu geschaffen werden muss. Kierkegaards Existenzwissenschaft, wie er sein philosophisch/theologisches Projekt nannte, zielte jedoch nicht darauf ab, die Existenz des Einzelnen zu verabsolutieren, sondern sie im christlichen Glauben zu verankern.

In dieser religiösen Sphäre bestimmt sich das Individuum durch sein Verhältnis zu Gott. Dieses Verhältnis zeichnet sich durch absolute Wahrhaftigkeit aus, die Kierkegaard in der protestantischen Amtskirche vermisste und für die er zeit seines Lebens mit großer Leidenschaft eintrat.

 

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